Tja, das Fliegen.... wo fange ich da am besten an??? Natürlich beim Start (das Motoren- Anlassen überspringe ich, weil das von Typ zu Typ zu unterschiedlich ist).
Also ... die Kiste läuft auf 100 % Rotordrehzahl und ich möchte nun abheben.

 Was mache ich? Richtig, ich ziehe mal am Pitch (Kollektiv- Blattverstellhebel), aber schön vorsichtig.
Dadurch erhalten alle Rotorblätter gleichzeitig einen höheren Anstellwinkel, wodurch sie mehr Auftrieb erzeugen.

 Höherer Anstellwinkel bedeutet aber auch höherer Luftwiderstand. Der wiederum würde bewirken, dass meine Rotordrehzahl zusammenbricht, wenn nicht die Leistung des Motors erhöht wird. Also: der Motor muss mehr Leistung abgeben. Dazu braucht er logischerweise mehr Sprit (ich muss sozusagen aufs Gaspedal treten). Das geschieht auf verschiedene Art. Beim Turbinentriebwerk macht das üblicherweise ein Kraftstoffregler automatisch, beim Kolbentriebwerk macht das der Pilot mittels eines Gasdrehgriffes (wie beim Motorrad), der sich am Pitch befindet. Soll heissen, beim Ziehen des Pitches wird gleichzeitig der Gasdrehgriff etwas aufgedreht. Wie viel? Na ja, eben so viel, dass die Rotordrehzahl bei 100 % erhalten bleibt. Nicht mehr Gas und nicht weniger. Aber das ist reine Übungssache.
So, also ich ziehe am Pitch. Draußen, um den Hubi herum, sehe ich, dass plötzlich ein starker Wind aufkommt, innen drin merke ich, dass die Kiste leichter und unruhiger wird.
Und jetzt kommt das nächste Problem: höhere Triebwerksleistung bedeutet auch ein höheres Drehmoment. Das heißt, je mehr ich ziehe, desto mehr will sich die Kiste nach einer Seite wegdrehen, und zwar entgegengesetzt zur Drehrichtung des Hauptrotors. Da sie das aber nicht soll, muss ich dieses Drehmoment ausgleichen. 

Womit? Klar, mit Hilfe des Heckrotors, der ja für den Drehmomentausgleich da ist. 
Und den steuere ich mit den Pedalen an.

Also: je mehr ich am Pitch ziehe, desto mehr muss ich in eines der Pedale treten. In welches? Na das hängt eben von der Drehrichtung des Hauptrotors ab (dieser Drehrichtung sollte man vorher schon bewusst sein, denn ins falsche Pedal zu treten, hätte fatale Auswirkungen). Außer dem sollte man sich bewusst sein, auf welchem Untergrund die Kiste steht. Steht sie z.B. auf trockenem Asphalt, ist die Reibung der Kufen so groß, dass die Auswirkungen des Drehmoments erst beim Abheben einsetzen, ist diese Asphaltfläche jedoch vereist, gehts mit dem Wegdrehen ganz plötzlich, eventuell sogar schon bei zu schnellem Anlassen.

Nun gut, also ich hab die Sache mit dem Gas und dem Drehmoment so weit im Griff und ich ziehe weiter am Pitch. Jetzt hebt die Kiste leicht vom Boden ab.
Was kommt nun? Tja, wenn ich jetzt den Steuerknüppel nicht schon in der richtigen Stellung hatte, schießt die Kiste in irgendeiner Richtung, vorwärts, rückwärts oder seitlich, weg, was vermutlich in einem Totalschaden enden würde.
Also: schon vor dem Abheben fühlen, in welche Richtung die Kiste abmarschieren will und entsprechend gegenhalten. Das geht nicht? Doch, das geht, mit etwas Übung - ich vergleiche das gerne mit dem Balancieren eines drehenden Balles auf dem Zeigefinger - beides ist eine Sache des Gefühls und erlernbar.
Nun könnte man ja auch sagen, dass man den Knüppel nur in die Mittelstellung bringen muss, um senkrecht abzuheben, aber dem ist leider nicht so. Da spielen nämlich noch andere Faktoren eine Rolle, z.B. die Windrichtung, gegen die ich vorhalten muss, aber auch die Beladung, sprich der Schwerpunkt der Kiste. Sitzen z.B. vorne zwei schwere Jungs, liegt der Schwerpunkt weiter vorne, als wenn da zwei leichte Mädchen ;-) sitzen.

Gehen wir davon aus, dass ich auch das im Griff habe, und die Maschine ist im Schwebeflug, so etwa einen Meter über dem Boden. Toll, ist ja schon ganz gut, aber hier will ich ja nicht den Rest meines Lebens verharren. Ich will ja irgend wohin fliegen. Also was tun?
Weiter am Pitch ziehen (Drehmoment und Balance nicht vergessen)? Wäre eine Möglichkeit, die aber nur bewirkt, dass ich höher steige; vorwärts gekommen bin ich bislang noch nicht.

Der nächste Gedanke ist gut: Knüppel (periodischer Blattverstellhebel) nach vorne!!!    Stop! Nur ein kleines bisschen, sonst hauen wir ungespitzt in den Boden!
Also, Knüppel vorsichtig nach vorne, und siehe da, die Kiste neigt sich etwas nach vorne und fängt an, sich vorwärts zu bewegen. 

Allerdings nicht nur das. Sie bewegt sich auch nach unten und der Boden kommt immer näher. Bevor wir aufschlagen, sollten wir also reagieren. Wie ? Na klar, weiter am Pitch ziehen, die Kiste braucht mehr Leistung!
Aber warum eigentlich? Na, bisher war der vorhandene Schub der Rotorblätter gerade so groß, dass die Kiste in der Luft gehalten wurde. Jetzt, beim Vorwärtsflug, muss sich der Schub in zwei Komponenten aufteilen, nämlich in den Auftrieb UND den Vortrieb. Und dafür reichts eben nicht mehr. Also mehr Schub.
Und was bedeutet mehr Schub? Na, eben wieder mehr Drehmoment und damit ein etwas stärkerer Tritt ins Pedal.
Man sieht, man ist wirklich mit beiden Händen und Füßen beschäftigt: rechte Hand am Knüppel, linke Hand am Pitch und die Füße in den Pedalen.

So, und wenn wir jetzt noch etwas mehr Leistung geben (Drehmomentausgleich nicht vergessen), fliegen wir nicht nur parallel zum Erdboden, sondern wir steigen auch noch!
Zum Beenden des Steigens Pitch etwas drücken und.....
richtig! Mit den Pedalen reagieren, da wir jetzt weniger Drehmoment haben.

Will ich nun meine Geschwindigkeit wieder verringen, nehme ich den Knüppel etwas nach hinten. Die Fahrt vermindert sich. Doch was geschieht noch? Die Kiste steigt jetzt plötzlich wieder, was ich eigentlich gar nicht will. Warum? Na klar, der Vortrieb wurde verringert, also steht wieder mehr Leistung für den Auftrieb zur Verfügung. Daher: Pitch leicht runter und damit auch schon wieder Arbeit in den Pedalen.

Und jetzt kommt noch eine andere Funktion des Knüppels hinzu, nämlich das Kurvenfliegen. Knüppel leicht nach links, und die Maschine legt sich in eine Linkskurve; Knüppel leicht nach rechts: Rechtskurve. So einfach ist das? Nee, natürlich nicht! Das wäre ja noch schöner!
Wie war das eben mit der Aufteilung des Schubes? Auftrieb UND Vortrieb. Und nun in der Kurve? Da kommt nun noch ne Komponente, nämlich die seitliche hinzu, die der Fliehkraft entgegenwirken muss. Also reicht nun der Schub schon wieder nicht aus, und ich muss nochmal am Pitch ziehen (Drehmoment!). Dafür habe ich dann, wenn ich den Kurvenflug wieder ausleite, zu viel Schub und muss den Pitch dann also wieder etwas drücken und in den Pedalen reagieren. 

A propos Kurvenflug: vom Auto her ist man gewöhnt, das Lenkrad zu drehen und es dann so lange in dieser Position zu halten, bis die Kurve beendet wird. Nicht so in der Fliegerei. Bewege ich den Knüppel nach der Seite, erzeuge ich ja eine seitliche Beschleunigung. Und die hält hier so lange an, wie ich den Knüppel in dieser Lage halte. Die Kiste würde sich also immer weiter um die eigene Längsachse drehen und sich auf den Kopf stellen und dann durchsacken. Unangenehm und daher nicht gewollt...
Also: den Knüppel nur so lange nach der Seite drücken, bis die gewünschte Schräglage erreicht ist. Dann wieder in Mittelstellung und die Kiste fliegt ihre Kurve. Belässt man den Knüppel jetzt so, fliegt sie lauter Vollkreise, bis der Sprit zu Ende ist. Auch nicht gewollt. Irgendwann will ich ja wieder geradeaus fliegen. Was tun? Richtig: Knüppel leicht in die entgegengesetzte Richtung drücken, und die Maschine richtet sich wieder auf. Sobald sie gerade liegt, Knüppel in Mittelstellung und es geht geradeaus weiter.

Irgendwann, bevor der Sprit ausgeht, will ich auch wieder landen.
Wir wissen, wenn wir zu wenig Leistung haben, geht es abwärts. Das wäre doch schon mal ein Anfang! Also: Pitch leicht drücken, die Maschine geht in einen Sinkflug über. Aber warum hat sie sich dabei leicht um die Hochachse gedreht und schiebt jetzt so seltsam nach der Seite? Ach ja, da war doch noch was: Drehmomentausgleich! Mit den Pedalen etwas weniger Ausgleich geben und schon stimmt die Sache wieder!
So fliegt es sich wieder recht angenehm und man könnte es so beibehalten, wenn da nicht der Boden immer näher käme. Also muss ja auch irgendwann mal die Geschwindigkeit zurückgenommen werden.
Und wieder beginnt das gleiche Spielchen: Knüppel leicht zurück, Pitch leicht runter, Pedale. Idealerweise macht man das so kontinuierlich, dass Höhe und Geschwindigkeit gleichzeitig abnehmen. Das gibt dann eine schöne gerade Fluglinie. Bei Anfängern sieht das normalerweise eher nach Treppenstufen aus :-)
Hat man alles schön richtig gemacht, findet man sich irgendwann im Schwebeflug knapp über dem Boden wieder.
Hat man etwas falsch gemacht, ist man entweder schon im Schwebeflug, aber noch in 100m (oder mehr) Höhe, oder man ist schon auf dem Boden aufgeschlagen, bevor die Vorwärtsfahrt gleich Null war... Sieht nicht schön aus, tut der Maschine nicht gut und sorgt für Ärger mit dem Chef und der Technik, die die Kiste nun wieder reparieren muss...
Gehen wir also lieber vom Idealfall aus, also vom ordentlichen Schwebeflug in 1 m Höhe.
Nun also nochmals den Pitch ganz vorsichtig senken, an die Pedale denken und mit dem Knüppel die Kiste genau balancieren, damit sie nicht vorwärts, rückwärts oder seitwärts abhaut. Hat man das alles mit genügend Feingefühl gemacht, wird sich die Kiste ganz sanft auf den Boden setzen. Hat man das mit dem Feingefühl nicht hingekriegt, dann siehe oben> das mit dem Chef und der Technik....

Und an noch etwas sollte man denken:
Triebwerk abstellen und aussteigen erst wenn man wirklich am Boden ist :-)

 

So, und nun mach ich mal selbst ne lila Pause, und zwar mit Schreiben; außerdem muss ich noch ein paar passende Bilderchens sammeln bzw. malen, um das ganze hier etwas zu verdeutlichen und diese Bleiwüste etwas aufzulockern :-))

Also: demnächst wird der Teil hier fortgesetzt! Schau mal wieder rein! :-)